Februar 06, 2016

Wie alles begann

Im April letzten Jahres hatte ich gerade meine Ausbildung zur Kauffrau für Tourismus und Freizeit abgebrochen. Ich wollte dann bis zum Anfang meiner neuen Ausbildung, im Sommer, bei meinem Vater aushelfen. Da musste ich viel Auto fahren, so 250 bis 300 km am Tag. Bei der ganzen Fahrerei ist mir immer mehr aufgefallen, dass ich nicht mehr so scharf gucken konnte, mir fiel es schwerer Schilder aus der Ferne zu erkennen und irgendwann waren selbst die Kennzeichen der Autos vor mir mehr Hieroglyphen als Buchstaben. Ich hatte schon vor Jahren eine Brille mit leichten Gläsern bekommen, da es Tage gab an denen ich mal nicht so gut gucken konnte, aber die hat mir nicht mehr wirklich weitergeholfen. Ich war im März schon einmal beim Optiker und hatte einen Sehtest machen lassen, da hatten sich die Werte zwar verändert, aber nicht sonderlich gravierend. Also hab ich mir die Werte zu dem Zeitpunkt auch nicht gemerkt. 
Nun musste sich aber definitiv was geändert haben, also hab ich wieder einen Test machen lassen und siehe da auf dem einen Auge hatte ich -2,7 Dioptrien. Vor ein paar Jahren, als ich die andere Brille bekommen hatte, waren es gerade mal -0,5 Dioptrien. Der Optiker meinte, dass es über mehrere Jahre schon mal passieren kann, dass sich die Sicht so verschlechtert. Das Problem war, dass die Werte von vor einem Monat nicht mehr aufzufinden waren und ich die genauen Dioptrien nicht mehr im Kopf hatte, so dass man hätte vergleichen können. Aber dass die Werte noch vor einem Monat viel besser waren konnte ja gar nicht sein, oder? Also musste bei dem ersten Test ja offensichtlich ein Fehler gemacht worden sein. Wir haben nicht mehr lange drüber nachgedacht und ich hab mir dann eine neue Brille ausgesucht, mit der ich mich dann auch jeden Tag 24/7 wohl fühle. 
Jetzt konnte ich endlich wieder vernünftig für meinen Vater arbeiten und Auto fahren.

Wie ich mich täuschte! Mein Freund war zu der Zeit aus familiären Gründen weg, also blieb ich abends länger wach, weil ich alleine immer noch so ewig vor dem Fernseher sitze.
Am nächsten Tag dann hatte ich beim Auto fahren einen Kampf gegen den Sekundenschlaf. Ich dachte aber nicht lange drüber nach und schob das Ganze auf den mangelnden Schlaf.

Jedoch beunruhigte mich eine andere Sache. Mir fiel jeden Tag aufs Neue auf, dass meine Hüftknochen immer weiter rausstanden oder wurde mein Bauch nur immer flacher? Ich war schon immer sehr dünn, konnte essen so viel ich wollte ohne auch nur ein bisschen zuzunehmen. Also hab ich mich mal auf die Waage gestellt und einen Schock bekommen, den ich mein Leben lang nicht vergessen würde. Ich wog nur noch 42kg! Eine bis zwei Wochen zuvor hatte ich mich drüber gefreut, dass ich endlich die 52kg erreicht hatte und jetzt das. Ich hatte keine Ahnung was mit mir los war, meine Eltern schoben das alles auf den Stress der vergangenen Monate in meiner Ausbildung und da die letzten Monate wirklich sehr stressig waren, klang das ganz plausibel.

Und als wäre das alles nicht genug, hatte ich die Woche über einen Durst, wie noch nie zuvor! Innerhalb von 5 Minuten hatte ich das Gefühl mein Mund würde gleich zu Staub zerfallen oder zerreißen, weil er zu trocken war. Ich hab noch nie wirklich viel an einem Tag getrunken, aber zu der Zeit waren es locker 4 Liter am Tag. Nachts bin ich bis zu 16 Mal aufgestanden, weil ich andauernd auf Klo musste, aber im gleichen Moment auch wieder diesen unausstehlichen Durst hatte. 

An dem einen Freitag kam dann alles extrem zusammen und hat mich fast wahnsinnig gemacht. Morgens bei der Fahrt die Müdigkeit, nebenbei der Durst, dann musste ich noch an so ziemlich jeder öffentlichen Toilette halten und durch den starken Gewichtsverlust war selbst das Treppensteigen in das 1. Stockwerk ein totaler Alptraum für mich geworden. Nach der Arbeit an dem Freitag hab ich bei meinen Eltern erstmal noch ein bisschen geschlafen bevor ich dann nach Zingst gefahren bin, um den halben Getränkebestand des Nettos leer zu kaufen. Ich wollte eigentlich noch ein bisschen was für das Grillen am Nachmittag mit der Familie meines Freundes einkaufen, aber irgendwie war mein Einkaufswagen nur mit jeder Menge Getränke gefüllt und einem Kräuterbaguette.

Am Nachmittag beim Grillen, auf das ich mich schon den ganzen Tag gefreut hatte, konnte ich kaum was essen, es ging einfach nichts rein. Wenn ich auf die Toilette wollte hatte ich kaum Kraft zum Aufstehen und ich bin des öfteren mitten im Gespräch mit irgendwem eingeschlafen.

Aus Schlafen bestand dann auch der Rest des Tages für mich.

Am nächsten Tag ging gar nichts mehr, ich bin teilweise zusammengebrochen, als ich aufstehen wollte und schlecht war mir auch noch.

So langsam musste ich es mir also eingestehen: irgendwas stimmte nicht mit mir! Also ging es ab zum Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Ich war noch keine Minute in der Praxis des Doktors, ich hatte ihm gerade erklärt, was los ist, da sagte er die Worte die ich in meinem Leben nie wieder vergessen würde.

"Ich befürchte, dass sie Diabetes haben."

Diesen Moment werde ich nie vergessen! Seine Worte wiederholten sich die ganze Zeit wie ein Echo in meinem Kopf. Ich hatte das Gefühl, dass in diesem Augenblick die Welt stillstand und im nächsten ging alles auf einmal so schnell. 
Er piekste mich mit irgendetwas ins Ohrläppchen und hielt mir ein Gerät ans Ohr in dem ein Teststreifen steckte.

"Sie haben einen Blutzuckerwert von 54 mmol/l, sie müssen sofort ins Krankenhaus."

Im nächsten Moment stand schon mein Freund vor mir und ich weinte. Ich wusste nicht, was nun passiert und was es mit den 54 mmol/l auf sich hatte. Nur einer Sache war ich mir sehr sicher: Mein Leben würde ab sofort nicht mehr das Selbe sein.


Damit hab ich mich auf jeden Fall nicht getäuscht. 



Ein paar Wochen nach der Diagnose mit ca. 45kg


2 Kommentare:

  1. Das Du Dich nicht schämst ....
    Die Idee von Lea zu klauen.
    Anstatt sich was eigenes zu überlegen.

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    1. Dass du dich nicht schämst, nicht mal den Mut zu haben, den Mund aufzumachen und zu sagen, wer du bist ;)
      Und welche Idee hab ich bitte geklaut? :D Der Blogname ist entstanden, ohne dass ich wusste, wie ihr Blog heißt und außerdem war der Name die Idee meines Freundes ;)

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